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Als hätte Gott eine Homepage: Die Adresse
lautet „www.colani.ch“. Wer sich auf diese Internetseite begibt, der
wird von sphärischen Klängen und einem zartblauen Himmel empfangen.
Wolken türmen sich auf, schieben sich zu einer weißbauchigen Masse
ineinander – und dann scheint ein Titan mit einer Art
Riesen-Schneebesen das Himmelsgewölbe in sanft schwingende
Entwurfslinien zu teilen. Auf dass Wohlgestalt, Proportion und
überhaupt göttliche Ordnung am Firmament entstehe. Ein Gott? Nein,
besser noch, es ist sogar Luigi Colani persönlich, der von sich
weiß: „Ich bin Schöpfer, aber ich verbessere auch die Schöpfung.“
Himmel, ist das schön.
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Dass sich Luigi Colani, der in Berlin 1928
als Lutz getauft wurde, geboren als Sohn eines Tessiner
Filmarchitekten und einer Polin, dass sich Colani die
Internetpräsentation seiner tausend Projekte und Produkte nach
Schöpferart nur im eigenen Universum vorstellen kann, war zu
erwarten. Bescheidenheit ist dem „letzten Universalisten“ (Colani)
so fremd wie eine gerade Linie und so unangenehm wie eine
Tischkante.
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Deshalb ist auf seiner Homepage gleich nach
dem wolkigen Intro eine Art „Urball“-Urknall zu sehen. Die Erde
entsteht, vorbildlich rund, und wird sogleich umkreist von
merkwürdig fliegenden Biotec-Wesen, die hauptsächlich eines sind:
blubberhaft rund. Zum Beispiel das Flugzeug. Es erinnert an einen
Delphin, der mit einem Düsentriebwerk gekreuzt und von einer Seife
aufgezogen wurde. Oder die Fotokamera, die so aussieht, als sei es
in der Firma Canon an den Fließbändern zu rauschhaften Exzessen
gekommen. „Selbst bis in die arterhaltende Erotik“, sagt Colani,
„erregen uns runde Formen.“ Und: „Die gerade Linie hat,
philosophisch betrachtet, keine Daseinsberechtigung.“
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Philosophisch betrachtet müsste Colani
eigentlich der Hohepriester aller an der kistenartigen Moderne
Leidenden sein. Die von ihm signifikant weich entworfenen, immer
flugtauglich aussehenden Dinge, all die Computer-Mäuse,
Hubschrauber, Autos, Spektralphotometer, Bügelbretter,
Polizeiuniformen oder auch Särge, all dies sind Zeugen einer
gewaltig romantischen Sehnsucht. Nach Natur, nach dem Paradies, nach
Erotik und Esoterik. Muss man dem Mann dafür böse sein? Nur weil er
einen plüschig umgebauten Rolls-Royce fährt und für napoleonisch
aufgedunsene Schlösser schwärmt? Eigentlich nicht.
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Es ist eher so, dass Colani in der Fachwelt
unterschätzt wird – weil er vor allem großspurig und wutschnaubend
ist. Es gibt kein Interview von ihm, in dem er nicht die Welt neu
erfindet, in dem er nicht den Kollegen, „diesen Deppen“, den Kampf
ansagt oder darauf verweist, dass er in Asien (wo er in Shanghai
eine Professur inne hat) als „Gottheit“ verehrt werde. Aber man
macht es sich zu einfach, wenn man ihn, der sich nie als „Designer“,
sondern immer nur als „3D-Philosophen“ bezeichnet, lediglich in jene
gestaltgeschichtliche Rund-Ecke verweist, in dem die Blähungen der
flokatihaften Siebziger-Jahre-Delirien aufbewahrt werden.
Tatsächlich war Colani, ausgebildet in Bildhauerei und in
Aerodynamik, seiner Zeit immer ein wenig voraus. Das, was derzeit
als „Biomorphologie“, als naturnahe Formfindung in Architektur und
Design verhandelt wird, hat außer Antoni Gaudi erstaunlicherweise
auch Luigi Colani vorhergesehen. An diesem Samstag wird er 75 Jahre
alt.
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